Gerd Anthoff


Biographie

Der renommierte Theater-, Film- und Fernsehschauspieler Gerd Anthoff ist im Münchener Westend aufgewachsen, erhielt Schauspielunterricht bei Peter Rieckmann und ein Stipendium für Nachwuchsförderung des Bayerischen Rundfunks. Er spielte u. a. an den Münchner Kammerspielen, dem Volkstheater München, dem Staatstheater am Gärtnerplatz, in der Komödie im Bayerischen Hof und bei den Salzburger Festspielen. Bis 2011 war er Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel. Er arbeitete mit so bedeutenden Regisseuren wie Ingmar Bergmann, Dieter Dorn, Hans Lietzau, Hans Neuenfels und vielen anderen.

Zum Fernsehen kam Gerd Anthoff 1989, als er die Titelrolle in der Joseph-Filser-Reihe des Bayerischen Fernsehens übernahm. Seither wirkte er u. a. in den beliebten BR-Serien "Löwengrube" als Kriminalkommissär Deinlein, "Die Hausmeisterin" und "Cafe Meineid" mit. Deutschlandweit bekannt wurde er spätestens in der Rolle des umtriebigen Bauunternehmers Toni Rambold in der Sat1-Serie "Der Bulle von Tölz". In der Fernsehserie "Unter Verdacht" spielt er als Dr. Claus Reiter den gerissenen und korrupten Leiter der Abteilung für die Untersuchung interner Delikte.

1995 erhielt Anthoff den Bayerischen Fernsehpreis für "Über Kreuz", 2003 den Adolf-Grimme-Preis für "Unter Verdacht", 2008 den AZ-Stern des Jahres und 2010 den Bayerischen Verdienstorden. Darüber hinaus wurde ihm 2011 die Medaille "München leuchtet - Den Freunden Münchens" in Gold und 2013 die Auszeichnung "Pro meritis scientiae et literarum" verliehen.

Gerd Anthoff

Termine

Date Wer / Was Ort

20.03.2015

20:00 Uhr

Gerd Anthoff & Solisten des Münchner Rundfunkorchesters

»Schubert Hoch Zwei« - Literatur. Sprache. Musik.

München

Herz Jesu Kirche

»Schubert Hoch Zwei« - Literatur. Sprache. Musik.

Musikalische Lesung mit Gerd Anthoff und Solisten des Münchner Rundfunkorchesters.

Gerd Anthoff liest aus Peter Härtlings Roman »Schubert«, Solisten des Münchner Rundfunkorchesters spielen das »Oktett in F-Dur, D 803« von Franz Schubert.

 

Mitwirkende:

Gerd Anthoff - Sprecher

Doren Dinglinger - Violine

Florian Eutermoser - Violine

Norbert Merkl - Viola

Alexandre Vay - Violoncello

Peter Schlier - Kontrabass

Hanna Sieber - Horn

Eberhard Knobloch - Klarinette

Till Heine - Fagott

 

Freitag, 20.03.2015, 20:00 Uhr

Herz Jesu Kirche

Lachnerstraße 8

80639 München

04.12.2016

19:00 Uhr

Gerd Anthoff | Eschenloher Sänger

»Heilige Nacht«

Schongau

Ballenhaus

Seit Thoma vor 90 Jahren die Idee hatte, die Weihnachtsgeschichte in einem oberbayerischen Dorf spielen zu lassen, hat der Mundarttext nichts von seiner Kraft verloren. Sowohl die Geburt im armseligen Stall als auch der Umstand, dass es die Hirten waren, die den neugeborenen Heiland zuerst sahen, zeigen die Verbindung des Ereignisses zu den einfachen Menschen.

Der beliebte und bekannte Münchner Schauspieler Gerd Anthoff schafft es, die bestens bekannte Geschichte von der »Heiligen Nacht« so zu interpretieren, dass man glaubt, man höre sie zum allerersten Mal.

 

Lesung: Gerd Anthoff

Musik: Eschenloher Sänger mit Zither

 

Sonntag, 04.12.2016, 19:00 Uhr

Ballenhaus Schongau

Marienplatz 2

86956 Schongau

10.12.2017

15:30 Uhr

Gerd Anthoff | Eschenloher Sänger

»Heilige Nacht«

München

Prinzregententheater

Seit Thoma vor 90 Jahren die Idee hatte, die Weihnachtsgeschichte in einem oberbayerischen Dorf spielen zu lassen, hat der Mundarttext nichts von seiner Kraft verloren. Sowohl die Geburt im armseligen Stall als auch der Umstand, dass es die Hirten waren, die den neugeborenen Heiland zuerst sahen, zeigen die Verbindung des Ereignisses zu den einfachen Menschen.

Der beliebte und bekannte Münchner Schauspieler Gerd Anthoff schafft es, die bestens bekannte Geschichte von der »Heiligen Nacht« so zu interpretieren, dass man glaubt, man höre sie zum allerersten Mal.

 

Lesung: Gerd Anthoff

Musik: Eschenloher Sänger mit Zither

 

Sonntag, 10.12.2017, 15:30 Uhr

Prinzregententheater München

Prinzregentenplatz 12

81675 München

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Gerd Anthoff

Repertoire

  • LESUNG Mit Musik: »Heilige Nacht« von Ludwig Thoma

    »Heilige Nacht« von Ludwig Thoma – Ein Klassiker der bayerischen Literatur.

     

    Seit Thoma vor beinahe 90 Jahren die Idee hatte, die Weihnachtsgeschichte in einem oberbayerischen Dorf spielen zu lassen, hat der Mundarttext nichts von seiner Kraft verloren. Sowohl die Geburt im armseligen Stall als auch der Umstand, dass es die Hirten waren, die den neugeborenen Heiland zuerst sahen, zeigen die Verbindung des Ereignisses zu den einfachen Menschen. Der beliebte und bekannte Münchner Schauspieler Gerd Anthoff schafft es, die bestens bekannte Geschichte von der »Heiligen Nacht« so zu interpretieren, dass man glaubt, man höre sie zum allerersten Mal.

     

    Musik:

    Eschenloher Sänger mit Zither

  • LESUNG Mit Musik: »Ritter Gluck« von E. T. A. Hoffmann

    »Ritter Gluck« von E. T. A. Hoffmann – Ein faszinierender Abend, der literarisch und musikalisch einen

    wunderbaren Bogen von der Gluckschen Vorklassik bis zur Romantik von Liszt und Schumann spannt.

     

    E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Ritter Gluck“ aus dem Jahre 1809 spiegelt die Bewunderung des romantischen Schriftstellers für den ein Vierteljahrhundert zuvor verstorbenen Komponisten Christoph Willibald Gluck wider. Der Ich-Erzähler, ein Musikenthusiast im Berlin des angehenden 19. Jahrhunderts, begegnet dort mehrfach ganz zufällig einem mysteriösen Unbekannten, der ihn mit einer auf dem Klavier von leeren Notenblättern gespielten kongenialen Interpretation der Gluck-Oper „Armida“ verblüfft, spukhaft verschwindet und im Rokokokostüm als Christoph Willibald Gluck wieder erscheint.

     

    Eine phantastische Erzählung, ausdrucksvoll gelesen von Gerd Anthoff und musikalisch begleitet von Christoph Declara am Klavier.

     

    Christoph Declara debütierte im Alter von 14 Jahren mit Beethovens Fünftem Klavierkonzert. Seither war er regelmäßig Solist bei diversen Orchestern im In-und Ausland, wie z.B. dem New York Concert Artists Orchestra, den Hofer Symphonikern, den Bad Reichenhaller Philharmonikern und dem Symphonieorchester der Universität Mozarteum.

     

    Seine pianistische Ausbildung erhielt Christoph Declara an der Universität Mozarteum in Salzburg bei Prof. Christoph Lieske und Prof. Pavel Gililov, bei welchem er sein Masterstudium 2010 mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Seither hat er als Prof. Gililovs Assistent einen Lehrauftrag am Mozarteum in Salzburg inne. In der gleichen Funktion erhielt er für das Studienjahr 2012/2013 einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln.


    Christoph Declara ging bei nationalen und internationalen Wettbewerben wie dem Internationalen Johannes Brahms Wettbewerb in Pörtschach am Wörthersee und dem Klavierwettbewerb der Hildegard Maschmann-Stiftung als Preisträger hervor. Im Januar 2010 gab Declara sein Debüt bei der Salzburger Mozartwoche. Im selben Jahr zeichnete ihn der Landkreis Rosenheim mit dem Kulturförderpreis aus. Ebenfalls 2010 erschien seine CD „Debüt“ bei festivo records mit Werken von Johannes Brahms und Sofia Gubaidulina. Das FonoForum urteilte „Fulminant“ und bewertete diese Einspielung mit 5 von 5 Sternen (Ausgabe 4/11).

    Im August 2013 erschien ebenfalls bei festivo records die zweite CD „Damals“. Sie beinhaltet Werke von Johannes Brahms und Roland Leistner-Mayer.

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Gerd Anthoff

Presse

  • Süddeutsche Zeitung

    "Gerd Anthoff, der scheue Atheist" - Ein Porträt

    Der Schauspieler hat von Ingmar Bergman gelernt, ein echter Kotzbrocken zu sein - auf der Bühne. Und später im Fernsehen.

     

    Ingmar Bergman hat Gerd Anthoff gelehrt, wie man Aggressionen spielt. Der Regisseur, der Schweden wegen Steuersorgen verlassen hatte, und der Schauspieler trafen sich in den Achtzigerjahren am Residenztheater in München. Anthoff spielte in Ibsens "Nora" den Erpresser Krogstad. "Und Bergman hat bestimmt, dass die Rolle vom Scheitel bis zur Sohle mit Aggressionen ausgefüllt sein musste", erzählt er.

     

    Das Problem war, dass Gerd Anthoff eher ein sanfter Mensch ist.

     

    "Bergman wusste das", sagt Anthoff, "und deshalb hat er bei der Probe unterschwellig eine ungeheure Aggression ausgestrahlt - gegen alles und jeden." Anthoff hat die Schwingungen aufgenommen. "Ich war plötzlich wie der Fisch im Wasser", sagt er. "Und seit dieser Zeit kann ich die Aggressionen auf der Bühne ausleben."

    Und vor der Kamera.

     

    Gerd Anthoff, 70, hat in seiner Fernseh-Karriere ein paar Kotzbrocken gespielt, etwa den rücksichtslosen Bauunternehmer Toni Rambold in "Der Bulle von Tölz" oder den korrupten Kommissar Dr. Claus Reiter in "Unter Verdacht". In der ersten Folge hat Reiter sogar einen Mordanschlag auf seine Kollegin Eva Prohacek (Senta Berger) initiiert. "Es kam nie heraus, ob er tatsächlich dahinter steckte", sagt Anthoff, "aber er steckte dahinter." Wenn das einer wissen muss, dann er.

     

    Gerd Anthoff sitzt im Stadtcafé und erzählt unentwegt Geschichten - von Berger, von Bergman oder vom Brandner Kaspar, wo er mehr als 950 mal den Nantwein spielen durfte. Dabei hatte der Spiegel einmal über Anthoff geschrieben, dieser entziehe sich "dem Mediengetümmel fundamentalistisch".

    "Ich gebe selten Interviews", sagt er dazu, "und mit roten Teppichen kann ich gar nichts anfangen." Warum? "Ich bin scheu." Auf die Anfrage der Süddeutschen Zeitung hatte er freundlich, aber zurückhaltend geantwortet: "Wir können gerne versuchen, miteinander ins Gespräch zu kommen."

     

    Die Scheu ist ein Charakterzug, aber sie kann auch damit zu tun haben, woher ein Mensch kommt. Gerd Anthoff ist nicht in einem reichen Akademiker-Haushalt aufgewachsen, in dem das Selbstbewusstsein zur inneren Einrichtung gehört. Anthoff stammt aus kleinen Verhältnissen im Münchner Westend.

    Als er 1946 zur Welt kam, wurden dort die Trümmer des Zweiten Weltkriegs weggeräumt. Die Kinder hat das nicht bekümmert, sie spielten zwischen dem Schutt in den Hinterhöfen. "Es war eine schöne Kindheit", sagt Anthoff. Aber es folgte "eine bedrückende Jugend". Er will nicht weiter ausführen, worin die Sorge bestand. Trost fand er im Theater.

     

    Ein Arbeiterkind im Theater

     

    Anthoffs Tante Fanni arbeitete im Residenztheater an der Garderobe. Sie sei, ähnlich wie seine Eltern, "keine schöngeistige Theaterliebhaberin" gewesen, sagt er, aber es sprangen hie und da ein paar Freikarten heraus. "Ich liebte den Glanz, das Licht, das Glitzern", sagt Anthoff. Und es wuchs der Wunsch, Schauspieler zu werden. "Für mich war das ein Weg, aus meiner Bedrückung heraus zu kommen."

    Gerd Anthoff besuchte in dieser Zeit die Oberrealschule. Es war eine mathematische Schule, und Anthoff hatte mit Mathe so viel am Hut wie ein Sumo-Ringer mit Skispringen. Aber er traf dort auf einen jungen Referendar, der eine Schauspielerausbildung hinter sich hatte: auf Wolf Euba.

     

    Euba, später auch Regisseur, Autor und Sprecher beim BR, schickte Anthoff zu dem Schauspiellehrer Peter Rieckmann. "Das war ein Glück", sagt er, "Rieckmann brachte mir das Handwerk bei, nicht die Kunst." Eine Übung war, dass Anthoff, während er einen Monolog sprach, gleichzeitig einen Tisch decken musste.

    Während er das erzählt, rührt er in seinem Milchkaffee.

     

    Anthoffs Eltern reagierten, wie die meisten Eltern damals reagiert hätten: Der Junge sollte "was Brauchbares" lernen, sagten sie, also fing er bei der Bayerischen Versicherungskammer an - und hörte drei Monate später wieder auf. Er hatte mit Versicherungen so viel am Hut wie mit Mathematik. Gut, dass er ein Stipendium beim BR bekam, ein "Stipendium zu Förderung des einheimischen Sprecher- und Schauspielernachwuchses". Unterrichtet wurde er von Gustl Bayrhammer und Fritz Strassner, die er später beim Brandner Kaspar wiedertreffen sollte. Und von Eva Vaitl. "Eva Vaitl war eine großartige Schauspielerin, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist", sagt Anthoff. "Sie brachte mich ans Residenztheater."

    Dort blieb er - mit einer kurzen Unterbrechung - Jahrzehnte lang. Als 1975 "Der Brander Kaspar und das ewig' Leben" am Resi erstmals aufgeführt wurde, spielte Anthoff den Nantwein, einen Heiligen, der zusammen mit dem seligen Turmair (Ludwig Schmidt-Wildy) und dem Erzengel Michael (Heino Hallhuber) Karten spielt, Weißwürste isst - und die Toten im Paradies begrüßt. Nantwein ist ein bisschen blasiert, er redet manchmal Lateinisch und würde gerne Nantovinus genannt werden, was der bodenständige Schmidt-Wildy mit einem lässigen "ja, ja" (im Sinne von: "Is' scho recht") ins Leere laufen lässt.

     

    Schmidt-Wildy, Strassner (Brandner Kaspar), Toni Berger (Boandlkramer) und Bayrhammer (Portner) - die großen Volksschauspieler standen bei diesem Stück gemeinsam auf der Bühne. Und haben sicher hinter den Kulissen Geschichten geliefert, die Anthoff heute als Anekdoten erzählen kann. Oder?

    Zum ersten Mal in diesem Gespräch schweigt Gerd Anthoff eine Weile. "Natürlich gibt es Anekdoten", sagt er schließlich, "aber wenn ich sie erzähle, würde es auf Kosten von Kollegen gehen." Anständig von ihm. Und harmlosere Sachen? Wieder schweigt er. Denkt er an harmlosere Sachen? Ringt er mit sich? Nervt ihn die Nachfrage? Man kann es an seiner Miene nicht erkennen. Er schaut einfach.

     

    "Eine Sache kann ich, glaube ich, schon erzählen", sagt er schließlich. "Es war ja allgemein bekannt, dass Toni Berger - euphemistisch ausgedrückt - ein sehr sparsamer Mensch gewesen ist." Berger habe deshalb gerne die Theaterrequisiten gegessen - die Weißwürste, die hinter der Bühne lagerten, und die Breze vom Nantwein alias Anthoff. "Ich habe auf der Bühne immer angefangen, meine Breze zu essen und wollte sie dann in der Pause fertig essen - aber sie war immer weg." Berger hatte sie gegessen. "Ich habe dann angefangen, sie an anderen Orten zu verstecken, aber er hat sie überall gefunden."

    Anthoff hat es Toni Berger nicht übel genommen. Andere Sachen haben ihn gestört, als er jung gewesen ist - etwa, wenn Schauspieler ihren Beruf nicht ernst genommen haben. Für ihn, Gerd Anthoff aus dem Westend, war es ein Traum, auf der Bühne zu stehen. Entsprechend hoch war sein Anspruch, es gut zu machen. "Aber da gab es welche aus gutem Hause, die haben so larifari gespielt", sagt er. Da war er dann auch mal schroff.

    Heute sei er gelassener, sagt er. Altersmilde gar. Wenn ein Kollege nachlässig oder unbegabt sei, leide er zwar immer noch. Aber er sage nichts mehr.

     

    Anthoff ist nie aus der "kleinbürgerlichen Herkunft ausgebrochen"

     

    Gelieben ist die Sympathie für eine gewisse Einfachheit und Bodenständigkeit. Anthoff hat seinen Beruf immer in München ausgeübt, er wohnt zwar nicht mehr im Westend, aber nicht weit entfernt am Westpark, und er sagt, er sei "nie gewaltig aus seiner kleinbürgerlichen Herkunft ausgebrochen". Wenn er zum Beispiel die Wahl hätte "zwischen einer ordentlichen Wirtschaft und dem Tantris", dann würde er in die ordentliche Wirtschaft gehen. Einer Zeitung in Nordrhein-Westfalen hat er mal gesagt, er sei kein Kosmopolit.

    Als er an diese Aussage erinnert wird, lacht Gerd Anthoff das Lachen, das man von seinen Figuren Rambold oder Reiter kennt: dieses sonore Aufheulen. "Aber natürlich bin ich kein Dimpfl", sagt er dann. Er liest viel, und er liebt Kammermusik. Wegen einer eigenen Lesung versäumte er gerade ein Konzert von Martin Grubinger und Yuja Wang im Prinzregententheater. "Ich werde mich in 100 Jahren noch ärgern, dass ich da nicht hingehen konnte", sagt er. Anthoff, bisher gleichmäßig gelassen, freundlich und höflich, ist jetzt begeistert. Leidenschaftlich. "Oder die Geigerin Tianwa Yang", ruft er, "die müssen Sie hören - schauen Sie sich das auf Youtube an." Er macht eine Pause. "Atemberaubend", sagt er.

     

    In den Neunzigerjahren kam der Bühnen-Schauspieler Gerd Anthoff immer häufiger ins Fernsehen, in der famosen Serie "Löwengrube" gab er den ängstlichen Amtmann Deinlein. "Ich spiele immer dann gerne, wenn es in der Rolle etwas zu entdecken gibt: Humor, Verzweiflung, Abgründe", sagt er. Senta Berger hat es in einem Interview zum 70. Geburtstag von Anthoff im Sommer so gesagt: "Gerd Anthoff interessiert immer die Seite der Figuren, die nicht geschrieben ist." Es gibt Rollen, die er gerne gespielt hätte, aber nie spielen durfte. Den "Onkel Wanja" von Tschechow zum Beispiel. Warum? "Weil mir der Tschechow so nahe geht." Warum? "Weil er so eine kraftvolle Melancholie hat."

    Wenn ein Mensch etwas gut findet, sagt das viel über ihn selbst aus. Senta Berger hat Anthoff in dem Interview noch ein paar andere Eigenschaften zugeschrieben: "Dass er überdies ein fabelhafter, anständiger, interessierter, kritischer Mann ist, mit dem man lachen und weinen kann, dem man vertraut - das möchte ich hier ausdrücklich sagen."

     

    "Unter Verdacht" läuft 2017 aus, weil die Polizisten-Darsteller Berger und Anthoff längst im Rentenalter angekommen sind. Am Residenztheater ist Gerd Anthoff nicht mehr, seit Dieter Dorn vor fünf Jahren gegangen ist. Er steht nicht mehr auf der Bühne. Eine neue Fernsehrolle würde er annehmen, aber nur, wenn sie ihm gefallen würde. "Ich bin ein berüchtigter Nein-Sager", sagt Anthoff.

    Er macht jetzt viele Lesungen. Seit fünf Jahren liest er im Winter Weihnachtsgeschichten von Oskar Maria Graf, Bert Brecht oder Erich Kästner. Er sei bekennender Atheist, aber er liebe die Tradition Weihnachten, sagt Anthoff. Er lese "nachdenkliche Texte, die Leute berühren sollen". Die Geschichten hätten nichts mit Ochs und Esel, Maria und Josef zu tun.

     

    Aber sie haben viel mit Anthoff zu tun.

     

    Gerhard Fischer, Süddeutsche Zeitung

  • Münchner Merkur

    "Der himmlische Dauerbrenner"

    „Sind sie nicht großartig? Jeder ein Unikat. Ich bin so froh, dass ich sie habe: die Eschenloher.“ Gerd Anthoffs Augen blinzeln vergnügt. Seine Begeisterung ist echt und spontan. Gerade hat er gemeinsam mit den vier Eschenloher Sängern und Anton Schönach, sehr griffig und berührend an der Zither, wieder den weihnachtlichen Klassiker, Ludwig Thomas „Heilige Nacht“, gestaltet.

     

    Während von draußen, vom gut besuchten Schongauer Adventsmarkt, die Alphornbläser in den Saal föhnen – leider nicht in der gleichen Tonart –, schwingt sich im liebevoll geschmückten Ballenhaus Besinnlichkeit ein. Ideal ist diese Kombination nicht, weder fürs gesprochene noch gesungenen Wort, aber Anthoff und die Musikanten lassen sich nicht in ihrer Konzentration stören. Wie oft sie diesen Thoma schon interpretiert haben, wissen sie nicht mehr. „Nein, ganz ohne Koketterie, bitte, das wird nicht gezählt. Oft, sehr oft, und es ist einfach immer wieder schön.“

    Manche feiern bereits seit 2015 das „Hundertjährige“ des biblischen Geschehens aus dem Lukasevangelium, von Thoma, in der Mundart „seiner“ Bauern kurzerhand vom tief verschneiten Oberbayern adoptiert. Der Oberammergauer Försterssohn sollte damit einen himmlischen Dauerbrenner schaffen, der für unzählige Zuhörer zur Advents- und Weihnachtszeit einfach dazu gehört.

     

    Dunkle Stimme und Dialekt wie Musik

     

    Thoma packte auch Sozialkritik in seinen Text, und weit entfernt vom bloßen heimelige Geschichten erzählen liegt auch der Ansatz von Anthoff und seinen Mitstreitern. Die voluminöse, weich sonore Stimme des prominenten Schauspielers ist mit den Jahren noch ein bisschen dunkler geworden. Sein Dialekt klingt sogar für preußische Ohren ein bisschen wie Musik. Ob er mit schwerem Atem durch Schneewehen stapft, als Josias grantelt und schimpft, dass man sich am liebsten die Decke über die Ohren ziehen möchte, oder jauchzend zum engelsgleichen Halleluja anhebt, während Gerd Anthoff spricht, schenkt er seinen Zuhörern stets ein ganz farbiges, plastisches Bild vom Geschehen. Als ob man durch ein Fernrohr vom Himmel aus ganz genau zuschauen könnte.

     

    Man hört den Schnee unter den genagelten Schuhen, riecht die beißende Kälte, mummelt sich behaglich in Heu und Stroh neben dem Ochsen als lebendigem Nachtspeicherofen. Und man bekommt ein Gespür für die Leut‘, wie sie halt sind – auch heute noch: abweisend, fremdenfeindlich, besitzergreifend genauso wie hilfreich, aufmerksam, liebevoll, großzügig und voller Demut.

    Das macht die Qualität dieses Abends aus. Der unverfälschte, authentische Viergesang der gestandenen Mannsbilder Sepp Dichtl (Bass), Clement Mangold, Jakob Schönach und Martin Wörner (Tenöre) aus Eschenlohe passt dazu wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Glattgebügelter Schöngesang entspricht nicht ihrem Klangideal. Sie bleiben ihren Wurzeln treu, sind auf der Spur in ihren Texten. Dichtl, über 20 Jahre auch als Senner tätig, ist in den späten Siebzigern. „Bim-bam, bim-bam“, sein schwarzer, tiefer Bass dröhnt tatsächlich wie Glockengeläut, während sich aus den Reihen der Tenöre der Schlussjodler einschmiegt.

     

    Der Andachtsjodler darf nicht fehlen

     

    „Ich bin ein altmodischer Mensch. Ich fände es schön, wenn wir am Ende, wie es bei uns Tradition ist, miteinander noch den Andachtsjodler singen würden.“ Gerne folgt der bestens besetzte Saal Anthofffs Aufforderung. Seine Bescheidenheit, die a bisserl abgeschabten Haferlschuhe, die schon oft getragene Lederhosen, die Strickjoppe, sie sind kein Kostüm, keine Masche. Das sind Spuren einer alltäglich beatmeten Lebensphilosophie. Auf den Inhalt, nicht auf die Verpackung kommt es an. Auch dafür darf man Gerd Anthoff dankbar sein.

     

    Dorothe Fleege, Münchner Merkur

  • Oberbayerisches Volksblatt

    "Glück mit Gluck"

    Mit der Erzählung "Ritter Gluck" debütierte der romantische Schriftsteller E. T. A. Hoffmann und fand damit sein Genre: das Bizarre, das Groteske, das Unheimliche und Gespenstische. Hoffmann wird fürderhin zum "Gespenster-Hoffmann". Der Erzähler begegnet in Berlin einem unheimlichen Fremden, der in der Musim des Christoph Willibald Ritter von Gluck zu Hause zu sein scheint und am Schluss in einer unheimlichen Szene sich als dieser Gluck zu erkennen gibt oder vorgibt, es zu sein. Ein lebender Toter? Oder nur ein Wahnsinniger? Das bleibt irritierend offen.

    Für das Motto der Herrenchiemsee-Festspiele, nämlich "Die Musik der Worte", ist diese Erzählung ein gefundenes Fressen. Hoffmann hat nämlich hier eine literarische Möglichkeit, seine musiktheoretischen Ansichten zu veröffentlichen. Er spricht also weniger über Gluck als über sich und seine musikästhetischen Theorien, über die romantische Musik. Er hatte also durchaus Glück mit dem "Ritter Gluck".

     

    Ein Glücksfall war Gerd Anthoff als Vorleser im unvollendeten Treppenhaus des Schlosses. Das war wirklich Musik in Worten. Sein sonorer Bass verstärkte die realistische Anmutung des Textes, seine perfekte Artikulation verursachte einen Zuhör-Sog, seine leis schmunzelnde Ironie machte lächeln, seine interpretierende Modulation lenkte den Sinn des Zuhörers und seine gestalterische Intensität überwältigte, wenn er sich stimmlich aufbäumte bei der künstlerischen Verzweiflung des imaginären Gluck: Anthoffs "Ritter Gluck" war ein Vorlese-Glück.

     

    Klaus Jörg Schönmetzler, der Festspiel-Intendant, hatte Gott sei Dank keine Gluck-Musik als Zwischnmusik ausgesucht, sondern hochromantische Klaviermusik von Liszt und Schumann, die nahtgenau in den Text passte. Ein weiterer Glücksfall war hier Christoph Declara am Klavier. Mit Liszt begann, mit Liszt endete er. Mit gemessener Wildheit spielte er einen, wie es im Text heißt, "niederträchtigen Walzer", nämlich den Mephisto-Walzer "in der Dorfschänke". Und wild und feurig spielte er, gleichsam als abschließenden Totentanz, die "Wilde Jagd" aus den "Études d'exécutions trenscendante": ein veritabler Höllenritt. Besonders schön gestaltete er dabei die Übergänge, vor allem beim Mephisto-Walzer zum traumverhangenen Mittelteil. Traumhaft schön kamen Schumanns Nachtstücke op. 23 und vor allem Schumanns Thema und Variationen op. posth. 13. Fein abgetönt, zartsinnig und klar artikuliert und doch traumverloren spielte Declara und schlug die Zuhörer im unvollendeten Treppenhaus vom Schloss Herrenchiemsee in Bann. Und setzte noch eins drauf in der Zugabe mit Liszts "Connsolation Nr. 3": ein Klavier-Glück für Gluck.

     

    Rainer W. Janka, Oberbayerisches Volksblatt

  • Schwabacher Tagblatt

    "Phantastische Vorstellung"

    Das Publikum erlebte am Sonntag einen höchst genussvollen Abend mit wunderbarer Musik und einer Lesung, die jeden in ihren Bann zog. Anlässlich des 300. Geburtstags des Komponisten Christoph Willibald Gluck trug der Schauspieler Gerd Anthoff die Kurzgeschichte „Ritter Gluck“ vor. Keineswegs nur begleitet hat Pianist Christoph Declara den Vortrag Anthoffs. Er verlieh ihm mit Klavierwerken von Franz Liszt und Robert Schumann einen eigenständigen Zauber, der noch lange im Bürgerhaus nachklang.

    Die Lesung und das phänomenale Klavierspiel ergänzten sich zu einer phantastischen Vorstellung, wie man sie nur ganz selten erlebt. Ein lautes, dreifaches „Bravo" für die LesArt-Programm-Macher.

     

    Robert Schmitt, Schwabacher Tagblatt

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